Die Legende des Christophorus

Vor langer Zeit lebte in einem Land jenseits des Meeres ein Mann. Er war groß, und stark - ein Riese - er wollte nur einem Herrn dienen, der größer und stärker war als er selber. So machte er sich auf den Weg, den mächtigsten Mann der Welt zu suchen.

Nach drei Tagen kam er in eine große Stadt. Er fragte die Leute, denen er Begegnete: »Wer ist der Herr über diese Stadt?« - »Die Stadt gehört dem mächtigen König«, antworteten ihm die Leute. »Wenn er der mächtigste ist, so will ich ihm dienen«, sagte er bei sich. Und so blieb er und arbeitete für den König.

Eines Abends kam ein weitgereister Spielmann und sang vor dem König. In einem Lied sang er vom Teufel. Der König bekam Angst, duckte sich und machte des Kreuzeszeichen. Er dachte sich: »Wenn der mächtige König sich vor dem Teufel duckt und ihn fürchtet, dann muss der Teufel wohl größer und stärker sein als er. Ich will gehen und den Teufel suchen und ihn fragen, ob ich ihm dienen darf.« So wanderte er wieder viele Monate, bis er an den Rand der Wildnis kam.

Da kam ihm eine seltsame Gestalt entgegen, finster und furchterregend. »Wo willst Du hin?« fragte die Gestalt. »Ich suche den Teufel,« antwortete er. »Er soll mächtiger sein, als alle Köngie auf der Welt. Wenn ich ihn gefunden habe, will ich ihm dienen.« »So komm mit mir, ich bin der Teufel!« erwiderte die Gestalt. So gingen sie miteinander. Sie kamen an eine Gebirgskette. Auf einem Hügel stand oben ein Kreuz. Der Teufel erschrak. Er bedeckte sein Gesicht. »Hier können wir nicht vorbei,« murmelte er, »komm wir müssen umkehren!« »Warum hast du so eine große Angst?« wollte er wissen. »Das Kreuz ist ein Zeichen von Jesus Christus« sagte der Teufel und zitterte. Da sprach sein Gegenüber: »Wenn Jesus Christus stärker ist als du, dann gehe ich. Ich will Jesus Christus suchen und ihm dienen.« So wanderte er Monat für Monat durch die Wüste, bis er an die Hütte eines Einsiedlers kam. »Was weisst du über Jesus Christus?« fragte er den Mann. »Er ist der Sohn Gottes,« wurde ihm geantwortet, »er ist wahrhaftig der König der Welt« »Ja, den suche ich, den König der Welt!« sagte er. »Sag mir doch, wo ich ihn finde.«

Der Einsiedler sprach: »Am Ende der Wüste ist ein großer, reißender Fluss. Manche sind schon ertrunken, als sie versuchten ihn zu überqueren. Dort wird ein Fährmann gebraucht. Mache dich auf und gehe dorthin. Du bist groß und stark wie ein Riese. Bring die Menschen die ans andere Ufer wollen, über den Fluss. Ich bin mir sicher, dort wirst du Jesus Christus begegnen.« Da ging er zun Fluss und baute sich eine Hütte. Viele Leute trug er über den Fluss auf seinen starken Schultern. Er lebte dort und die Menschen vertrauten ihm.

Christophorus

Eines Nachts, er lag im Bett und schlief, hörte er eine Kinderstimme: »Komm, Fährmann, trage mich hinüber!« Er stand auf, schaute hinaus und sah das Kind stehen, das ihn rief. »Fährmann,« sagte das Kind, »bringe mich über den Fluss!« Ein bisschen wunderte sich der starke Mann, dann nahm er das Kind auf die Schultern und ging in den Fluss. Die Strömung im Fluss nahm zu. Das Wasser stieg. Ein Sturm kam auf. Der Fluss wurde immer reißender. Es wurde mühsam für ihn. Das Kind schien schwerer und schwerer zu werden, Der starke Mann bekam Angst. Er hatte Angst um das kleine Kind und um sich. Das Wasser stieg ihm bis an die Lippen. Das Kind wurde zentnerschwer. Stunde um Stunde vergingen. Dann wurde es Tag. Endlich erreichten sie das Ufer. Er setzte das Kind unverletzt ans Ufer. »Kind, ich habe große Angst gehabt!« sagte der riesengroße und starke Mann, »du wurdest mir so schwer, dass ich glaubte, ich hätte die ganze Welt auf den Schultern.« Da sprach das Kind: »Du hast nicht nur die Welt getragen, sondern auch den Sohn Gottes. Ich bin der, den du überall gesucht hast: Jesus Christus.

An diesem Fluss dienst du mir, du trägst die Schwachen sicher über den Fluss. Darum sollst du ab jetzt "Christophorus" heißen, das bedeutet: der Christusträger. Geh heim und stecke deinen Stab in die Erde neben deiner Hütte. Morgen wirst du sehen, wie er Blüten und Früchte trägt.«

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